Wie macht man einfache Vorgabezeiten

Natürlich gibt es die Refa-Methodenlehre oder MTM. Dazu gibt es Erfassungsgeräte, Auswertetools, Software. Meist recht teuer, vor allem aber alles andere als einfach. Genauso wie die Methoden dahinter. Nicht vergessen sollte man, daß diese Methodenlehren schon bald ihr hundertjähriges Jubiläum feiern können. Sie sind somit praxiserprobt. Aber sind sie auch praxisgerecht? Erfüllen sie die Anforderungen, die in einem modernen Unternehmen mit modernen Maschinen und modernen Organisationen gestellt werden? Nein, tun sie nicht. Es wird zergliedert und zerlegt, gemessen und addiert, angenommen und definiert. Es werden Unweltbedingungen berücksichtigt oder herausgenommen, Erschwernisse definiert, usw. Und irgendwann wird dann ein Wert geliefert, der dann die neue Vorgabe ist. Wenn man viel Glück hat, entspricht dieser tatsächlich dem aktuellen und regelmäßigen Stand. Mit etwas weniger Glück hat man einen theoretischen „Laborwert“ erzeugt, der meist mit der gelebten Wirklichkeit wenig zu tun hat.

Mit der modernen Arbeitswirtschaft schlage ich immer einen anderen Weg vor. Einen einfachen und nachvollziehbaren Weg, der traditionelle Methoden weitgehend ignoriert. Es wird zunächst ganz einfach definiert, für was man Vorgaben braucht. Für ein Produkt, eine Tätigkeit, einen Fertigungs- oder Montageprozeß, ein Bauteil, eine Baugruppe. Und dann wird geschaut, ob man für diese schon Daten hat, besonders Stückzahlen, zb aus BDE-Rückmeldungen, Stückzahlenerfassung oder ähnlichem. Wenn nicht, wird überlegt, wie man diese erzeugen kann in Zukunft. Denn wenn es schon wichtig ist, dafür eine Vorgabe zu haben, dann ist es mindestens genauso wichtig zu sehen, wie sich die tägliche Stückzahlen entwickeln. Das eine ohne das andere ist reichlich sinnfrei. Diese Stückzahlen werden im modernen Unternehmen benötigt, um damit die Ergebnisvisualisierung zu betreiben oder zu vervollständigen. Hat man nun diese Stückzahlen so muß man sich noch Gedanken machen, welche Arbeitszeit darauf entfallen ist. Und zwar echte Arbeitszeit und nicht theoretisch. Auch diese Daten sind meist vorhanden durch die Anwesenheitszeiterfassung. Werden unterschiedliche Tätigkeiten oder Produkte in diesen Zeiten bearbeitet, so gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Zeiten einfach zu erfassen. Dazu an anderer Stelle mehr.

Hat man nun Anwesenheitszeiten und Stückzahlen so ist es einfach, daraus die durchschnittliche Bearbeitezeit zu ermitteln. Mit etwas Statistik rechnet man dann noch ein paar Besonderheiten und Extrem-Ausreißer-Werte heraus. Und fertig ist die Vorgabe! Hier wird nichts mehr zergliedert, es wird nicht unterschieden in Prozeß- und Verteilzeiten. Es gibt keine persönlich und auch keine sachliche Verteilzeit. Es gibt nur eine Zeit, die aus der beobachteten Praxis. Nicht die Zeitaufnahme ist Basis sondern die Bearbeitung ist die Basis der neuen „Zeitaufnahme“. Mit diesen so ermittelten Werten ist vielleicht das Produkt teurer ausgewiesen als gedacht, aber real ist es keinen Cent teurer geworden. Die Zeiten sind nur richtiger und die Kalkulation ist nun genauer und vor allem ehrlicher. Ganz zu schweigen davon, daß damit plötzlich auch alle Belegungs- und Kapazitätsplanungen deutlich verbessert werden. Und man macht das nicht in großen aufwendigen und angekündigten Zeitaufnahmen sondern einfach nach Bedarf aus den vorhandenen Daten.

So geht lean

Werbeanzeigen

Über wetterjoerg

Unternehmensberater und -Begleiter aus der Praxis für die Praxis
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s