Herausrechnen der Nebenzeiten

Bei der Leistungsrechnung, spätestens aber bei einer darauf aufbauenden Entlohnung ist es in sehr vielen Betrieben üblich, Gemeinkosten herauszurechnen. Wenn man aber alles herausrechnet, was bleibt dann übrig? Das was in diesen Betrieben dann als „Leistung“ genannt wird ist nichts anderes als ein Schönrechnen des Mangels. Ein Beispiel: eine Montagegruppe arbeitet mit 10 Personen je 8 Stunden. In dieser Zeit fallen für das besorgen von Material 1 Stunde an, für das Verbuchen der Aufträge 0,5 Stunden. Eine halbe Stunde konnte die ganze Truppe nicht arbeiten wegen Ausfall eines Prüfsystems. Und es gab noch eine Teambesprechung mit dem Abteilungsleiter von 15 Minuten. Als Ergebnis werden gemäß den Vorgabezeiten an diesem Tag 84 Stunden erwirtschaftet in Form von fertigen Bauteilen. Die übliche Rechnung geht dann wie folgt:

84/ (10 x 8 – 1 – 0,5 – 10 x 0,5 – 10 x 0,25) = 84 / 71 = 118,31 %. Richtig gerechnet sieht es dagegen überschaubarer aus: 84/80 = 105 %.

Es werden also hier über 13% Leistung ausgewiesen, die gar nicht da ist. Die Kalkulation der Produkte ist möglicherweise real um 13 % zu klein wenn diese Nebenzeiten nicht als Zuschlag enthalten sind. Im Leistungslohn werden 9 von 80 Stunden (11,25%) der Zeit als Leistung prämiert in der definitiv keine Leistung erbracht wurde. Weder haben die Mitarbeiter sich in dieser Zeit besonders ins Zeug gelegt noch wurde etwas erzeugt, was einem Kunden verkauft werden kann.

unwirksame_herausrechnung

Ein modernes Prämierungssystem darf so nicht rechnen, es muß auf verwertbare Ergebnisse und wertschöpfende Prozesse gerichtet sein. Hinzu kommt, daß diese Herausrechnung ja auch noch Aufwand mit sich bringt, der ebenfalls nichts als Verschwendung ist. Es wird er „Mangel verwaltet“ statt die Prozesse verbessert. Auch fehlen jegliche Anreize, Besprechungen und Ausfallzeiten gering zu halten oder auch im obigen Beispiel die Materialversorgung zu optimieren. Im Gegenteil: es besteht sogar ein Anreiz, diese Zeiten auszudehnen, da sie eine evtl. zuvor erzeugte gute Leistung „absichern“. Das Umstellen der Leistungsrechnung und der Prämienentlohnung ist ein wesentlicher Schritt für „lean“.

So geht lean

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