95 oder 99 – erfolgreiche Projektarbeit

Wer 100 Prozent will, der will gar nichts. Dies ist die Erfahrung aus vielen Projekten, das Streben nach 100 Prozent, nach Vollständigkeit in allen Punkten, ist meist der Grund, gar nicht erst anzufangen. Darüber sind sich die Meisten einig. Deshalb ist es richtig, sich auch mit 99 Prozent oder eben mit noch „kleinen Lücken“ zufrieden zu geben. Besonders in der Projektarbeit ist dies eine hilfreiche und erfolgversprechende Vorgehensweise, gerade auch unter Kostenaspekten. Die Perfektion, die 100 Prozent sind meist nur über erhebliche Mehrkosten zu erreichen, Pareto läßt grüßen. Leider schleicht sich aber in vielen Projekten, besonders bei Prämien- und Lohnprojekten, eine 95-er Regel ein. Das soll heißen, daß Projektleiter bereits dann den Fuß vom Gas nehmen, wenn sie das Meiste geschafft haben. Die nicht ganz so wichtigen Ecken und Randthemen, Details und auch die eine oder andere Schwierigkeit landet dann auf der langen Bank, die immer länger wird. Es sind nicht die ganz schwierigen Dinge, nicht die Kaftanstrengungen um von 99 auf 100 zu kommen, sondern vielmehr die lästigen Dinge. Lästige Details, die mühsam sind und wenig zusätzlichen Applaus generieren. Aber eben trotzdem wichtig. Und genau das wird von vielen Projektleitern übersehen, ist in keinem Handbuch zur „richtigen“ Projektarbeit zu lesen. Es geht darum, den Job richtig zu Ende zu bringen, den ursprünglich definierten Umfang abzuarbeiten. Die 95-er Regel ist keine Rege an sich sondern eine „Manifestierung der Bequemlichkeit“, man erklärt etwas für abgeschlossen, ohne daß es das wirklich ist. Und den „95-er Projekten“ (man könnte in Bayern auch sagen: „passt scho“) haftet dann auch immer an, daß es keinen ordentlichen und formalen Projektanschluß gibt, die Projektteilnehmer meist kein positives Feedback erhalten, die Lorbeeren nicht geteilt werden. Und genaugenommen leidet auch der Projektleiter darunter. Denn auch er kann nicht den echten Erfolg verbuchen, der ja eigentlich ja eingetreten ist. Bestenfalls im Einzelgespräch mit dem Vorgesetzten oder Auftraggeber kann er das Projekt als erfolgreich abgeschlossen deklarieren. Das ist aber eher schal. Zum Erfolg gehört eben der Haken an alle Punkte. In der Formel eins hat man gewonnen, wenn man über das Ziel als erster gefahren ist, nicht wenn man in der letzten Runde vorne war. Und deshalb wird in der Formel eins am Schluß auch gefeiert. Das gehört auch dazu, nicht nur für den Sieger sondern auch für das „winning team“. Das wird leider in vielen Projekten und Betrieben vergessen.

Und ganz nebenbei: auch der Berater freut sich über das Glas Schampus.

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Unternehmensberater und -Begleiter aus der Praxis für die Praxis
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