Wer wenig bezahlt bekommt auch nur wenig

Mindestlohn sei richtig, sei wichtig, sei falsch, sei schädlich. So die Diskussionen von allerlei Experten, die offensichtlich in den meisten Fällen keine sind. Dabei kann die Antwort ziemlich abgekürzt werden. Volkswirtschaftlich betrachtet ist der Mindestlohn Blödsinn, zumindest wenn man noch einigermaßen an die Mechanismen einer Marktwirtschaft glaubt und eine funktionierende Marktwirtschaft haben will. Wer das nicht versteht, dem erkläre ich es gerne oder verweise auf die entsprechende Literatur der Volkswirtschaftslehre, so etwa erstes bis zweites Semester. Aber darum geht es hier weniger. Denn wer wirklich gute Arbeit, gute Leistung, hohe Qualität von vielleicht sogar qualifizierten und motivierten Mitarbeiter haben will, der wird mit Löhnen um den Mindestlohn herum (oder darunter) nicht weit kommen. In den USA gibt es einen Spruch für die Nörglerfraktion, der auch hier genau paßt: „you get what you paid for“ Wer also denkt, daß er für 8,50 Euro Spitzenleistungen von guten und motivierten Mitarbeitern erhält, der sollte besser ein zweites Mal nachdenken. Mitarbeiter sind nämlich nur eingeschränkt leistungsmotiviert, wenn sie permanent über ihren Zweitjob am Abend nachdenken (und deshalb übermüdet sind), ihre Rechnungen kaum bezahlen können und auch sonst kaum Wünsche realisieren können. „Geiz ist geil“-Mentalität führt eben auch in der Produktion zu kläglichen Ergebnissen, die dann mit viel Aufwand einigermaßen marktfähig gemacht werden müssen. Insofern ist die Mindestlohndiskussion meist falsch geführt. Wer zu Mindestlohn-Niveau Produkte und Dienstleistungen herstellt, der stellt in aller Regel keine guten Produkte für den deutschen oder anspruchsvollen internationalen Markt her. Vielmehr stehen diese Unternehmen dann zu Billigländern in Wettbewerb, wer genau hinschaut erkennt, daß es meist die gleichen Unternehmen sind, die auch stets nach einem noch schwächeren Euro rufen. Egal ob der Wechselkurs zum Dollar 1,30 oder 1 Euro ist, der Euro ist ihnen zu stark. Das was dann die schlechten Löhne immer noch nicht richten kann, soll nun die Gemeinschaft richten durch Verzicht auf internationale Kaufkraft.

Um es kurz zu machen: Gute Arbeit und gute Ergebnisse erfordern gute Löhne (und Leistungsanreize wie zb Leistungsprämien), wenn man gute Produkte für den anspruchsvollen Markt herstellen will. Wer nur nach den billigsten Arbeitskräften schaut und sein Glück in unqualifizierten, oft nicht mal der deutschen Sprache fähigen Mitarbeitern zu finden hofft, der stellt entweder langfristig vom Wettbewerb aufgefressene Produkte her oder produziert heute schon kläglich. Oder er produziert im falschen Land das falsche Produkt!

 

Über wetterjoerg

Unternehmensberater und -Begleiter aus der Praxis für die Praxis
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