Warum der neue Prämienlohn niemals Wirklichkeit wird

Es herrscht Einigkeit in der Geschäftsleitung, ein neues Prämienlohnsystem wäre gut und hilfreich. Auch ein Beratungsunternehmen oder ein Berater ist schnell ausgesucht, die Vorschläge erscheinen gut und brauchbar. Bald soll es dann losgehen, am besten noch gleich nach Ostern. Schnitt. Ein Jahr später. Nichts ist geschehen. Aus zunächst Top-Priorität und dringlich wurde zunächst mal „wichtig“. Jetzt ist das Thema „nicht mehr ganz so weit oben“. Aber es steht in den Zielen für das Folgejahr, und da soll es dann gleich zu Beginn losgehen. Schnitt. Noch einmal ein Jahr später. Gar nichts ist geschehen. „Nein, tot sei das Thema nicht, aber…“. So oder ähnlich sieht es in vielen Unternehmen aus. Was sind die Gründe für die immer länger werdende Bank? Nun, das Projekt ist nicht ganz einfach und hat sehr viele Schnittstellen und damit Beteiligte, die mitreden wollen und müssen. Und mit der Anzahl der Beteiligten nimmt auch die Anzahl der Ideen zu, brauchbare wie unbrauchbare. Und ebenso nimmt auch mit steigender Anzahl der Beteiligten die Wahrscheinlichkeit zu, daß unter den Beteiligten Bedenkenträger sind. Und dann kommen die „Klassiker“ an projekterschwerenden Fragen. Z.B

  • Wieviel bringt uns das?
  • Was ist, wenn es nicht richtig wirkt?

Zwar gibt es auf all dies Antworten aus der Praxis, die für einen schnellen Start sprechen. Aber alleine schon die Fragestellung zeigt die Unsicherheit, die sich dann schnell virusartig verbreitet. Denn wenn sich hier die Geschäftsleitung nur vage positioniert, wissen die Beteiligten nicht, wie sehr sie sich selbst aus dem Fenster lehnen dürfen. Und schon gibt es mindestens einen Bedenkenträger mehr. Und dann kommen weitere Klassiker, die unter die Rubrik „Ausreden“ ebenso passend einsortiert werden könnten wie unter „echte Argumente“. Diese lauten dann: „zuerst müssen wir aber…“

  • Personalentwicklung,
  • Umzug
  • Neubau
  • Neue Fertigungslinie
  • Neuer Meister
  • Neuer Produktionsleiter
  • Neuer Personalleiter
  • Neue Organisation, neue Struktur, neue Prozesse
  • Rückläufige Auftragslage
  • Überlastete Kapazitäten wegen guter Auftragslage
  • Neues Lean Konzept
  • Gerade eingeführtes Shopfloormanagement
  • Neue Anlage
  • Neue Produkte
  • Auslaufende Produktlinie
  • Bevorstehende Betriebsratswahl
  • Neuer Betriebsrat

(Zutreffendes bitte ankreuzen).

Es gibt scheinbar immer irgendwas, was dringend zuerst getan und abgeschlossen werden muß. Und so wird nie angefangen. Obwohl es ein Projekt ist, bei dem es für die Mitarbeiter um deren zentrales und wichtigstes Thema geht, um den einzigen Grund, warum sie morgens in dieses Unternehmen kommen. Nämlich um ihre Bezahlung. Stimmt hier etwas nicht, so leidet alles darunter. Doch das Management und auch der Betriebsrat müssen meist erst etwas anderes zuerst machen. Und dann wieder was anderes. Und noch was.

Den schmalen Grat zwischen Anreizsystem und Ungerechtigkeitsinstrument richtig zu begehen, das erfordert Erfahrung. Etwas womit wird dienen können. Wetter Unternehmensberatung.

Über wetterjoerg

Unternehmensberater und -Begleiter aus der Praxis für die Praxis
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Führung, Leistungslohn, Lohnsystem abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.